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Ross Allen Lazar Ross Allen Lazar
In Ihrem Nachruf würdigen Gabriele Klausmeyer und Michael Poweleit den im Juli 2017 verstorbenen Psychoanalytiker, der  auch Mitglied der VAKJP war.

In Gedenken an Ross Allen Lazar 
Wir trauern um unseren langjährigen Supervisor, Freund und Kollegen, den Psychoanalytiker Ross Lazar, der am 23. Juli 2017 viel zu früh verstorben ist. 
Ross Allen Lazar war in den USA geboren (Jahrgang 1945). Er studierte Kunstgeschichte (University of Michigan, Ann Arbor, LMU München) und Früh-und Sonderpädagogik (Harvard University) bevor er sich entschied, Psychoanalytiker zu werden. Er machte seine Ausbildung in London an der "Tavistock Clinic" (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) und durchlief das "Group Relations Training Programm" des "Tavistock Institute of Human Relation". 
Es ist fast unmöglich, seine vielen beruflichen Aktivitäten lückenlos wiederzugeben: In seiner Privatpraxis in München arbeitete er mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, Paaren und Familien. Darüberhinaus war er seit mehr als 30 Jahren u. a. als Organisationsberater, Coach, Forscher, Universitätsdozent, Lehrer/Trainer und system- psychodynamischer Supervisor aktiv. Eine Vielzahl seiner Beiträge im Bereich der Psychoanalyse und Kinderpsychoanalyse, sowie der psychoanalytisch-psychodynamisch orientierten Supervision, wurden veröffentlicht. Ross Lazar kam aus der Kleinianischen Schule und war ein fundierter Kenner von Bion und Meltzer. In den 1980er Jahren gründete er das Wilfred R. Bion Forum zur Förderung der Psychoanalyse und war Gründungsmitglied von MundO (Menschen und Organisationen). 
In den achtziger Jahren machte er auch KollegInnen am  Institut für Psychotherapie Berlin (IfP, Goerzallee) mit dem Kleinianischen Denken vertraut. Wir verdanken ihm in erster Linie die Einführung der Babybeobachtung in Deutschland, die er als einer der ersten zunächst nach München, dann nach Berlin an das IfP mitbrachte. Hier wurde sie später im Edith Jacobson Institut im IfP zu einem festen Bestandteil in der Ausbildung zum analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. 
Ross Lazar stand den Gründern des "Institutes für analytische Kinder und Jugendlichenpsychotherapie“ - IAKJP  (heute Esther Bick Institut) beratend zur Seite und war maßgeblich beteiligt an der Verbreitung von Psychoanalyse / Psychotherapie in den neuen Bundesländern.
Über viele, viele Jahre war er einer großen Zahl von Berliner KollegInnen - schließlich auch im vereinten Berlin - ein einfühlsamer, hochkompetenter und geduldiger Supervisor in Einzel- und Gruppensupervision. Auch als Organisationsberater stand er den unterschiedlichen Instituten zu Seite, zuletzt am Institut für Psychoanalyse, Psychotherapie und Psychosomatik Berlin (IPB. Helgoländer Ufer). 
Er war Netzwerkpartner des Instituts für Psychodynamische Organisationsberatung München (IPOM) und war dort auch als Dozent tätig. Er stand den Strukturen der psychoanalytischen Ausbildungsinstitute durchaus kritisch gegenüber, blieb in seiner zugewandten Art aber immer einem offenen und freien Diskurs verpflichtet. 
Ross Lazar beeindruckte durch seine menschliche Wärme, seine Fähigkeit, sehr genau zu denken, zu hinterfragen und zu containen. Nicht zuletzt auch sein britisch geprägter Humor bleibt in Erinnerung.
Der Tod von Ross Lazar reißt nicht nur eine Lücke in die psychoanalytische Gemeinschaft. Wir möchten allen Angehörigen, allen Freunden und Freundinnen unsere herzliche Anteilnahme aussprechen. 

Im Namen vieler Berliner KollegInnen, die ihn in dankbarer Erinnerung erhalten,
Gabriele Klausmeyer und Michael Poweleit 



Nachruf Ross Allen Lazar als PDF

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