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Dr. Hans Hopf erhält die StaufermedailleStaufermedaille Dr. Hans Hopf
Dr. Helene Timmermann
Dr. Hans Hopf, Ehrenmitglied der VAKJP, wurde am 14. Januar 2018 mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg geehrt. Die Staufermedaille ist eine besondere persönliche Auszeichnung des Ministerpräsidenten für Verdienste um das Land Baden-Württemberg und wird vergeben für außergewöhnliches Engagement.
Diese Auszeichnung wurde Hans Hopf aufgrund seiner Verdienste in der Tätigkeit als Lehrer in Mundelsheim (1968 – 1992), als Psychoanalytiker und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut sowie als langjähriger Leiter des Therapiezentrums Osterhof (1996 – 2003), als Supervisor, Dozent und Autor vergeben.
Hans Hopf ist seit 1975 Mitglied und seit 2009 Ehrenmitglied der VAKJP und bekannt durch seine zahlreichen Veröffentlichungen und Fachvorträge zu Themen aus dem Bereich der analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie sowie als Gutachter der KBV. Darüber hinaus ist er in Arbeitsgruppen, in Rundfunk und Fernsehen und bei Fachveranstaltungen unseres Verbandes sowie in Aus- und Weiterbildungsinstituten innerhalb Deutschlands, aber auch im deutschsprachigen europäischen Ausland aktiv.

Nachruf Prof. Dr. med. Manfred CierpkaDr. Manfred Cierpka
Dr. Helene Timmermann, Dr. Eberhard Windaus
Herr Prof. Dr. med. Manfred Cierpka ist am 14. 12. 2017 im Alter von 67 Jahren viel zu früh gestorben ist. Wir möchten an ihn erinnern und seiner gedenken.
Manfred Cierpka war der Initiator und Projektleiter der Heidelberger Studie zu den Regulationsstörungen. Er hat als eine wichtige Vorarbeit für diese Studie die Entwicklung des Behandlungsmanuals zur psychoanalytischen Fokaltherapie maßgeblich mitbegleitet und ausformuliert. Es war ihm ein wichtiges Anliegen, eine Wirksamkeitsstudie zur Säuglings-/Kleinkind-Eltern-Psychotherapie auf den Weg zu bringen, seitdem er am Heidelberger Universitätsinstitut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie dessen Direktor war.
Auf der 16. Konferenz für wissenschaftlichen Austausch stellte er das erarbeitete Fokuskonzept unter dem Titel: Psychoanalytische Fokusformulierung in der SKEPT vor. Noch im letzten Jahr hat er eine weitere Arbeit dazu in der Zeitschrift KINDERANALYSE veröffentlichen können.
2007 hatte unser Forschungsbeauftragter zusammen mit ihm die Aufgabe, einen Band zur Säuglings-Kleinkind-
Eltern-Psychotherapie bei Brandes & Apsel herauszugeben. Dabei schlug Herr Cierpka vor, dass Herr Windaus als
Erstautor fungieren sollte, da er an allen drei Untertiteln mit beteiligt gewesen war.
Eine solche Geste passte gut zu seiner herzlich-freundlichen und kooperativen Art. Herr Windaus lehnte das aber ab,
weil mit einer solchen Verkehrung des Alphabets Vorrangansprüche vermutet werden könnten, worum es ihm nicht
ging. So blieb es bei der alphabetischen Reihenfolge Cierpka/Windaus.
Auch auf der 14. Konferenz zur Elternarbeit hat Herr Cierpka referiert. Frühe Hilfen für belastete Eltern und ihre Kinder lautete sein Thema. Das von ihm maßgeblich initiierte Präventionsprogramm „Keiner fällt durchs Netz“ startete bereits 2007 in allen saarländischen Landkreisen. Um Kindern von Beginn an eine Chance auf eine gute Entwicklung zu ermöglichen, wurden mit „Keiner fällt durchs Netz“ frühe Zugänge zu belasteten Familien geschaffen und Unterstützungsangebote für werdende Eltern und Familien mit Neugeborenen und Kleinkindern bereitgestellt.
Bereits Ende der 90er Jahre hatte Manfred Cierpka das Projekt „Faustlos“ in Göttingen etabliert. Es handelt sich um
ein Lernprogramm für Schulen mit dem Ziel, sozial-emotionale Kompetenzen zu erlernen, was als ein wichtiger Beitrag zur Gewaltprävention einzustufen ist. An diesen wie an anderen Projekten wird deutlich, dass Prävention, gezielte Hilfe und kompetente fachliche Unterstützung ein Anliegen war, das Manfred Cierpka immer wieder zu einem solchen Engagement brachte. Dabei ging es ihm immer auch um die wissenschaftliche Fundierung der Hilfen.
Für sein großes Engagement erhielt er im September 2017 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Das Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg stellte bei der Verleihung dieser Ehrung fest: „Professor Cierpka hat das Konzept der Frühen Hilfen fest etabliert. Sein Einsatz für präventive Angebote und Kinderschutz hat vielen Kindern und Familien geholfen und unsere Gesellschaft insgesamt besser gemacht“.
Manfred Cierpka verstand seine vielfältigen Projekte immer auf seinem psychoanalytischen und familientherapeutischen Hintergrund. Er war viele Jahre Mitherausgeber der Zeitschrift Familiendynamik und seit 1986 Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung.
In seiner Ulmer Zeit hat er in der Ägide von Hans Thomä und Horst Kächele sich in die allgemeine und psychoanalytische Psychotherapieforschung eingearbeitet, wovon wir bis heute mit der Erarbeitung einer Wirksamkeitsstudie profitieren.
Sehr treffend schrieb Cord Benecke in seinem Nachruf im Deutschen Ärzteblatt (Heft 3/2018, A89), dass seine „Aktivitäten von der Überzeugung angetrieben waren, dass Beziehungen der Schlüssel zu nachhaltig positiven Entwicklungen sind. Manfred Cierpka war ein großer Verbinder.“
Unser Forschungsbeauftragter lernte Manfred Cierpka kennen, als er um 2000 Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat
nach § 11 PsychThG wurde. Er fiel ihm bald als jemand auf, der eine gute Fähigkeit hatte, komplexe Fragestellungen auf eine klare und zielführende Weise zu behandeln. Noch mehr schätzte er, wie Manfred Cierpka später als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats auch in komplizierten Situationen in seiner ruhigen Art fachliche Sachlichkeit und Konfliktkompetenz so zusammen brachte, dass seine Vorschläge zu weiterführenden Lösungen führten.
Als wir in der VAKJP im September 2004 einen eigenen Beirat für Forschung und Wissenschaft gründeten, gehörte
Manfred Cierpka seit der ersten Sitzung diesem Gremium an. Er war nach Gerd Rudolf von 2008 bis 2015 für acht Jahre Sprecher des Beirats, bis er diese Funktion wegen seiner schweren Erkrankung im Herbst 2015 aufgeben musste. Für den Vorstand der VAKJP und den Forschungsbeauftragten und Geschäftsführer des Beirats für Forschung und Wissenschaft war es immer eine Freude, mit ihm zusammenzuarbeiten. 11 Jahre lang arbeitete Manfred Cierpka – wie alle im Beirat – ehrenamtlich für die VAKJP. Mit diesem Engagement und der Durchführung der Wirksamkeitsstudie hat sich Manfred Cierpka um die VAKJP sehr verdient gemacht. Die VAKJP ist ihm zu großen Dank verpflichtet und sein Tod ist ein großer Verlust für uns alle.

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Ross Allen Lazar Ross Allen Lazar
In Ihrem Nachruf würdigen Gabriele Klausmeyer und Michael Poweleit den im Juli 2017 verstorbenen Psychoanalytiker, der  auch Mitglied der VAKJP war.

In Gedenken an Ross Allen Lazar 
Wir trauern um unseren langjährigen Supervisor, Freund und Kollegen, den Psychoanalytiker Ross Lazar, der am 23. Juli 2017 viel zu früh verstorben ist. 
Ross Allen Lazar war in den USA geboren (Jahrgang 1945). Er studierte Kunstgeschichte (University of Michigan, Ann Arbor, LMU München) und Früh-und Sonderpädagogik (Harvard University) bevor er sich entschied, Psychoanalytiker zu werden. Er machte seine Ausbildung in London an der "Tavistock Clinic" (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) und durchlief das "Group Relations Training Programm" des "Tavistock Institute of Human Relation". 
Es ist fast unmöglich, seine vielen beruflichen Aktivitäten lückenlos wiederzugeben: In seiner Privatpraxis in München arbeitete er mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, Paaren und Familien. Darüberhinaus war er seit mehr als 30 Jahren u. a. als Organisationsberater, Coach, Forscher, Universitätsdozent, Lehrer/Trainer und system- psychodynamischer Supervisor aktiv. Eine Vielzahl seiner Beiträge im Bereich der Psychoanalyse und Kinderpsychoanalyse, sowie der psychoanalytisch-psychodynamisch orientierten Supervision, wurden veröffentlicht. Ross Lazar kam aus der Kleinianischen Schule und war ein fundierter Kenner von Bion und Meltzer. In den 1980er Jahren gründete er das Wilfred R. Bion Forum zur Förderung der Psychoanalyse und war Gründungsmitglied von MundO (Menschen und Organisationen). 
In den achtziger Jahren machte er auch KollegInnen am  Institut für Psychotherapie Berlin (IfP, Goerzallee) mit dem Kleinianischen Denken vertraut. Wir verdanken ihm in erster Linie die Einführung der Babybeobachtung in Deutschland, die er als einer der ersten zunächst nach München, dann nach Berlin an das IfP mitbrachte. Hier wurde sie später im Edith Jacobson Institut im IfP zu einem festen Bestandteil in der Ausbildung zum analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. 
Ross Lazar stand den Gründern des "Institutes für analytische Kinder und Jugendlichenpsychotherapie“ - IAKJP  (heute Esther Bick Institut) beratend zur Seite und war maßgeblich beteiligt an der Verbreitung von Psychoanalyse / Psychotherapie in den neuen Bundesländern.
Über viele, viele Jahre war er einer großen Zahl von Berliner KollegInnen - schließlich auch im vereinten Berlin - ein einfühlsamer, hochkompetenter und geduldiger Supervisor in Einzel- und Gruppensupervision. Auch als Organisationsberater stand er den unterschiedlichen Instituten zu Seite, zuletzt am Institut für Psychoanalyse, Psychotherapie und Psychosomatik Berlin (IPB. Helgoländer Ufer). 
Er war Netzwerkpartner des Instituts für Psychodynamische Organisationsberatung München (IPOM) und war dort auch als Dozent tätig. Er stand den Strukturen der psychoanalytischen Ausbildungsinstitute durchaus kritisch gegenüber, blieb in seiner zugewandten Art aber immer einem offenen und freien Diskurs verpflichtet. 
Ross Lazar beeindruckte durch seine menschliche Wärme, seine Fähigkeit, sehr genau zu denken, zu hinterfragen und zu containen. Nicht zuletzt auch sein britisch geprägter Humor bleibt in Erinnerung.
Der Tod von Ross Lazar reißt nicht nur eine Lücke in die psychoanalytische Gemeinschaft. Wir möchten allen Angehörigen, allen Freunden und Freundinnen unsere herzliche Anteilnahme aussprechen. 

Im Namen vieler Berliner KollegInnen, die ihn in dankbarer Erinnerung erhalten,
Gabriele Klausmeyer und Michael Poweleit 


Nachruf Ross Allen Lazar als PDF

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